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Inipi - Die indianische Schwitzhütten-Zeremonie

Vorbereitung des Platzes und Bau der Schwitzhütte · Vorbereitung der Zeremonie · Würde und Achtung · Der Beginn · Die Runden · Die Bedeutung der Channunpa · Eine Zeremonie stiften · Frauen in der Mondzeit · Häufig gestellte Fragen · Termine

Die Schwitzhüttenzeremonie ist eines der ältesten Reinigungsrituale für Körper, Geist und Seele. Ähnliche Zeremonien gab es in allen ursprünglichen Kulturen. Auch die Finnische Sauna und das Römische Dampfbad sind Überbleibsel dieser Traditionen - allerdings ohne den zeremoniellen und spirituellen Hintergrund.

Eine ursprüngliche Bezeichnung der Lakota-Sioux-Indianer, wakan tunka tipi, bedeutet "Hütte der heiligen Steine" oder "wo die Steine zu Dir sprechen". Eine andere Bezeichnung ist Inipi, zurückzuführen auf "Inyans Tipi", die "Hütte des Steinjungen". Die Legende besagt, dass diese Zeremonie zu den sieben heiligen riten gehört, die den Lakota von der Weißen-Büffelkalb-Frau gebracht wurde.

Die von mir durchgeführte Zeremonie basiert auf den Traditionen der nord­amerikanischen Lakota-Sioux-Indianer. Ich habe von 1995 bis 2006 regelmäßig einmal im Monat eine Schwitzhütten­zeremonie nach der Art besucht, wie sie Elmer Running von der Rosebud-Reservation in Süd-Dakota machte. Außerdem bin ich in dieser Zeit mehrmals im Jahr mit meinem spirituellen Lehrer Hugo-Bert Eichmüller (elementar-Kreise) in der Schwitzhütte gewesen. Seit 2006 leite ich die Zeremonie in diesem Stil. Die Einweihung in diesen Weg erfuhr ich durch die Visionssuche in den Jahren 1998 bis 2001.

Vorbereitung des Platzes und Aufbau der Hütte

Die Anordnung des Schwitzhüttenaltars symbolisiert das Zusammenwirken von Mutter Erde (die Hütte), Vater Sonne (Feuer), Großmutter Mond (der Altar) und dem Lebensbaum, dem zentralen Motiv für den spirituellen Weg der Lakota und vieler Stammesgesellschaften. Im Lebensbaum spiegelt sich eine Grundhaltung wider, die auch ich anstrebe: Verwurzelt im Boden von Mutter Erde, aufrichtig und würdevoll hier auf Erden zu sein, die Äste wie Hände ausgestreckt zum großen Universum.

Die kuppelförmige Hütte wird aus 16 Weiden- oder Haselnuss-Ruten gebaut. Sie ist genau nach den vier Himmelsrichtungenmit dem Eingang nach Westen ausgerichtet. Von unten betrachtet stellt die Form der Kuppel den morgendlichen Sternenhimmel dar: die Planeten und ihre Polaritäten - die übernatürlichen Kräfte. Die sechzehn Ruten sind an Punkten in den Boden gesteckt, die die Sechzehn Großen Mysterien der Lakota-Schöpfung repräsentieren. Von oben betrachtet symbolisiert das Muster das Universum, die ganze Schöpfung, die Kräfte des Geistes in ihr.

In der Mitte der Hütte wird eine flache Kule ausgehoben, der Altar für die heißen Steine. Die Erde wird einige Schritte vor der Hütte zum zweiten Altar aufgehäuft, Großmutter Mond, die den Menstruationszyklus der Frauen und ihre Natur, Leben zu geben, repräsentiert. So steht auch in der Mitte dieses Altars der Lebensbaum.

Ein paar Meter weiter westlich wird der dritte Altar, die Feuerstelle vorbereitet. Schwitzhütte, Altar und Feuerstelle liegen also genau auf einer von Ost nach West verlaufenden Linie.

Die Zeremonie

Vorbereitung

Die Schwitzhütte wird mit Decken und Planen so abgedeckt, dass es vollständig dunkel im Innern ist. Dann wird das Feuer aufgebaut: Auf einem Altar aus vier Holzscheiten werden 30 bis 40 Steine zu einem Kegel aufgeschichtet, um den herum weitere Holzscheite aufgestellt werden.

Auf den Altar werden vier Holzschalen mit Spiritfood gestellt: Wasser, Fleisch, Meis und Trauben oder Kirschen. Wenn die Gebetsbeutel (Ties) und Roben in der Schwitzhütte aufgehängt sind, ist alles für die Zeremonie vorbereitet. Die Ties sind kleine farbige Stoffbeutelchen mit einer Prise Tabak, die an eine Baumwollschnur geknüppft werden. Dabei wird für jedes Beutelchen ein Gebet gesprochen - für die Steinleute, die stehenden und grünen Völker (Bäume und alle anderen Pflanzen), für die Krabbler, Kriecher, Schlängler, die Geflügelten, die Fischleute, die Vierbeiner und die Menschen. Wir bitten dabei um Unterstützung für die Zeremonie. Die sechs Roben oder Fahnen in den Farben schwarz, rot, gelb, weiß, blau und grün sind für die sechs Richtungen: Westen, Norden, Osten, Süden, Oben (Himmel) und Unten (Erde).

Jeder kann zur Unterstützung seiner Gebete auch persönliche Ties mit in die Schwitzhütte nehmen: 5, 15 oder 25 (bei besonders schwerwiegenden Krankheiten oder Problemen) rote Ties an einem Faden.

Würde und Achtung

Das Schwitzhüttengelände ist frei von Alkohol und Drogen und auch Hass, Eifersucht und andere schlechte Gefühle versuchen wir "am Eingang" zum Platz zurückzulassen. Niemand soll kämpfen oder streiten und alle gehören zur Familie, wenn sie sich im Bereich der Schwitzhütte aufhalten.

Vor allem: Respektiere Mutter Erde, indem Du sie wie eine gute Freundin behandelst. Werfe keinen Müll auf die Erde, missbrauche sie nicht - schneide keine Pflanzen ab und fälle keine Bäume, ohne um Erlaubnis zu bitten und Tabak zu opfern.

Das Feuer ist ein spirituelles Feuer, das - wie beschrieben - in bestimmter Art und Weise aufgebaut und entzündet wird. Wir achten dieses heilige Feuer, denn in ihm werden die Großväter erhitzt. Daher verbrennen wir z.B. keine Abfälle und werfen keine Zigarettenkippen hinein. Auch vermeiden wir es, am Feuer oder bei der Schwitzhütte zu essen und zu trinken.

In oder im Bereich der Schwitzhütte sollte niemand glänzende oder reflektierende Materialien wie Schmuck, Uhren, Ohrringe oder Brillen tragen. Die Teilnehmer/innen können Medizinbeutel, aber keine Kristalle oder glänzenden Steine tragen. Wenn Du Schmuck hast, den Du nicht entfernen kannst (z.B. Ringe oder Piercings), dann bedecke ihn bitte mit einem matten Tuch, bevor Du in die Schwitzhütte gehst.

Frage die Feuerfrau, den Feuermann oder den Leiter der Zeremonie, bevor Du etwas auf den Altarhügel legen oder mit hinein nehmen willst.

Der Beginn

Zum Entzünden des Feuers versammeln wir uns um die Feuerstelle, wobei wir den Platz auf der Linie zwischen Feuer und Schwitzhütte frei lassen. Der Feuermann oder die Feuerfrau und sein(e) Helfer(in) zünden das Feuer gleichzeitig im Westen und Osten an. Wir singen ein Gebetsliet der Lakota und bitten still die Elemente und die Spirits, uns bei der Zeremonie zu unterstützen.

Während das Feuer brennt, baut sich zwischen ihm und dem Zentrum der Schwitzhütte eine Energielinie auf - die "Einflugschneise" der Spirits. Diese Linie wollen wir während der ganzen Zeremonie achten und nicht überqueren. Sollte es Dir doch einmal passieren, wird Dich derFeuermann oder der Leiter der Zeremonie darauf aufmerksam machen und bitten, rückwärts wieder zurückzugehen.

Wenn die Steine nach ca. 1 bis 1 1/2 Stunden heiß und rotglühend sind, Wird der Leiter der Zeremonie sich in die Hütte neben den Eingang setzen und die heilige Pfeife, die Channunpa füllen. Nun ist es Zeit, sich bereit zu machen.

Es ist Dir freigestellt, ob Du nackt hineingehst, wie Du auf die Welt gekommen bist, oder "bekleidet". Die Frauen gehen in letzterem Fall mit einem einfachen langen Baumwollkleid oder einem T-Shirt und Bikinihose oder Tuch; bekleidet in die Schwitzhütte; die Männer mit Shorts oder Badehose. Es ist gut, ein Handtuch, einen kleinen Teppich oder ein kleines Fell als Sitzunterlage und evt. ein zweites Handtuch zum Schutz vor dem heißen Dampf mitzubringen.

Die Runden

Die Schwitzhüttenzeremonie wird in vier Türen oder Runden durchgeführt. Das heißt, dass die Tür insgesamt viermal geschlossen wird, um die vier Richtungen, Winde oder Großväter zu ehren. Während jeder Runde werden heilige Lakota-Lieder gesungen. Jede Runde hat ihre eigene Bedeutung, je nach der Tradition des Leiters. In dieser speziellen Schwitzhütte:

Die erste Runde dient der Begrüßung der Großvater-Spirits, der Steine – sie in unserer Zeremonie willkommen zu heißen und uns selbst von der Alltagswelt zu reinigen, die wir hinter uns lassen, wenn wir diesen Mutterbauch betreten. Die Spirits werden mit einem Lied eingeladen. Der Leiter der Zeremonie gießt Wasser auf die Steine und es wird sehr heiß. Die Teilnehmer bringen – indem sie diese Hitze ertragen – ein Opfer für andere, denen es nicht gut geht. Dies ist einer der zentralen Gedanken des Lakota Weltbildes: Alles muss immer im Gleichgewicht sein. Wir leben in einer dualen Welt, in der es Gegensätze gibt. Wenn es einem Teil der Menschen gut geht, muss es aber auch einen anderen Teil geben, dem es schlecht geht, damit das Gleichgewicht wieder stimmt. Indem man selbst Leiden auf sich nimmt, kann man dafür sorgen, dass das Leiden eines anderen abnimmt; und für denjenigen wird während der Schwitzhüttenzeremonie gebetet.

Die zweite Runde ist dem Dank gewidmet. Als Menschenwesen gebührt der erste Dank unseren Eltern: Dem Vater, der uns gezeugt hat und vor allem der Mutter, die uns empfangen, getragen, oft unter Leiden geboren und dann genährt hat.

Die dritte Runde ist die Gebetsrunde. Wir beten, um das Physische, das Spirituelle und das Geistige zu verbinden. Wir beten aus der Tiefe unserer Herzen. Wir beten für Freunde und Verwandte, für die, denen es nicht gut geht. Die Lakota beten und bitten nicht für sich selbst; wenn sie ein Anliegen haben, bitten sie andere, für sie zu beten. Handelt es sich um ein schwerwiegendes Problem, stiften sie eine Zeremonie (dazu später mehr).

Es wird traditionell aber auch für alle Wesen dieser Schöpfung gebetet, denn ein weiterer zentraler Gedanke des Lakota Weltbildes ist, dass wir mit Allem verbunden sind. In dem Ausdruck "Mitakuye Oyasin", der ein wichtiger Bestandteil aller Lakota-Zeremonien ist und übersetzt etwa "Ich grüße alle meine Verwandten" heißt, spiegelt sich diese Vorstellung wider.

Auch während dieser Runde werden zu Beginn heilsame Lieder gesungen und es wird Wasser auf die heißen Steine gegossen. Am Ende dieser Runde wird die Heilige Pfeife (Channunpa) hereingebracht und herumgereicht, damit alle rauchen und ihre Gebete zum Großen Geist schikken können. Der 'Tabak', der in der Heiligen Pfeife verwendet wird, ist Kinik-Kinik, eine traditionelle Kräutermischung der Lakota.

In der vierten Runde verabschieden wir die Spirits wieder. Nun kommen wir wieder aus der Schwitzhütte heraus.

Die Bedeutung der Channunpa

Die "Heilige Pfeife", die "Channunpa", wurde den Lakota einst von der Heiligen Büffelkalb-Frau gebracht. Mit ihr beten sie bei den sieben heiligen Riten, insbesondere bei der Schwitzhüttenzeremonie, bei der Visionssuche und beim Sonnentanz.

Der Pfeifenkopf wird aus dem roten Catlinit gefertigt, der nur an wenigen Orten in Indianer-Reservaten der USA abgebaut wird. Er symbolisiert Mutter Erde, das Weibliche. Der Stiel wird meist aus Esche hergestellt und symbolisiert das Männliche. Mit dem Rauch werden die Gebete hinauf zu Wakan Tanka, dem Großen Geist (Gott) geschickt. So spiegelt sich in der Pfeifenzeremonie die Verbindung von Mann, Frau und Geist wider.

Wer den Weg mit der Channunpa geht, strebt ein ethisch einwandfreies Leben an. Für mich bedeutet das vor allem Aufrichtigkeit. Der Pfeifenträger verpflichtet sich zu helfen, wann immer er darum gebeten wird und es ihm möglich ist.

Man kauft sich keine Channunpa. Wer den Weg ernsthaft gehen will, baut sie sich selber. Die Einweihung (Initiation) erfolgt dann von einem "Heiligen Mann", Medizinmann, Schamanen - entweder nach einer Visionssuche oder beim Sonnentanz. Manchmal erfolgt die Initiation auch direkt durch die Spirits.

Ich selbst bin in den Jahren 1998 bis 2001 dreimal auf Visionssuche gewesen; zwei, drei und vier Tage und Nächte. Seit der ersten Visionssuche gehe ich nun diesen Weg. Und seit 2006 leite ich selbst Schwitzhüttenzeremonien.

Eine Zeremonie stiften ("sponsorn)

Wer ein besonderes Anliegen hat, z.B. Hilfe bei einer schweren Krankheit sucht oder nach einer durchstandenen Krise seinem Dank besonderen Ausdruck verleihen möchte, kann eine Schwitzhüttenzeremonie "stiften". Er überreicht dem Leiter ein Geschenk, bittet ihn um die Durchführung der Zeremonie, fertigt die Ties und Roben an (das "Schwitzhütten-Set"), sorgt für Feuerholz, Spirit-Food und das Essen für die Teilnehmer. Auch sucht er einen Feuermann und übergibt auch ihm ein kleines Geschenk. Dann lädt er Freunde und Verwandte ein, ihn bei seinem Anliegen zu unterstützen. Als Dank kann er auch ihnen im Anschluss an die Zeremonie in einem "Give-away" (Geschenkzeremonie) kleine Geschenke machen.

In einer gestifteten Schwitzhüttenzeremonie stellen wir unsere eigenen Wünsche und Bitten zurück und konzentrieren uns in unseren Gebeten auf das Anliegen des Stifters.

Frauen in der Mondzeit

Der weibliche Zyklus (Menstruation) wird bei den Indianern "Mondzeit" (moontime) genannt. In dieser Zeit wird die Frau von der Natur gereinigt. Die traditionellen indianischen Frauen betrachten ihre Mondzeit als eine mystische Erfahrung der Wahrheit, deshalb wenden sie sich dem "Zehn-Tage-Ritual" mit Respekt zu.

In der Überlieferung heißt es, dass die Schwitzhüttenzeremonie vor allem den Männern gegeben wurde, die nicht über diesen natürlichen Reinigungsprozess verfügen. Daher werden in vielen indianischen Traditionen nur getrennte Zeremonien für Männer und Frauen durchgeführt. Und Frauen, die in ihrer Mondzeit sind nehmen an den heiligen Zeremonien nicht teil, sondern ziehen sich zu ihrer eigenen Zeremonie zurück, zum Gebet und zur Kontemplation unter Frauen.

Heute streben wir ein Miteinander der Geschlechter an, was ja auch in der Symbolik der Channunpa zum Ausdruck kommt. Daher gehen wir auch gemeinsam in die Schwitzhütte. Verschiedenste Erfahrungen im Umgang mit der Mondzeit führten schließlich dazu, dass wir es heute auch der Eigenverantwortung der Frau und ihrem Respekt gegenüber den anderen Teilnehmern der Zeremonie überlassen, ob sie während der Mondzeit mit in die Schwitzhütte geht oder nicht. In jedem Fall sollte sie dann jedoch offen darüber zum Leiter der Zeremonie und zu den anderen Teilnehmern darüber sprechen.

Termine

Ich bitte um Anmeldung.

Wenn Sie zu den Zeremonien etwa ein bis zwei Wochen vorher per E-Mail eingeladen und über Terminänderungen informiert werden möchten, tragen Sie sich bitte in den Verteiler ein:


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